Wie verhalte ich mich bei Gefahr? Das sollten Sie über Selbstverteidigung wissen

Die meisten Menschen gehen unbesorgt durch den Tag und rechnen nicht damit, plötzlich in eine gefährliche Situation verwickelt zu werden. Das ist verständlich und gut, denn niemand möchte im ganz normalen Alltag von solchen Sorgen und Ängsten belastet werden. Leider kann es aber durchaus passieren, dass Sie irgendwann einmal angegriffen werden – und dann ist es hilfreich, wenn Sie sich zumindest schon einmal mit den Basics der Selbstverteidigung auseinandergesetzt haben. Wer Gefahrensituationen in der Theorie durchdacht und die passende Selbstverteidigung geübt hat, der wird mit einer deutlich größeren Wahrscheinlichkeit spontan richtig reagieren. Lesen Sie hier nach, wie Sie am besten auf Gefahrensituationen reagieren und welche Schritte der Selbstverteidigung die wichtigsten sind.

Schritt 1: Selbstschutz – Bringen Sie sich gar nicht erst in Gefahr

Der erste und wichtigste Schritt ist Selbstschutz: Begeben Sie sich nach Möglichkeit gar nicht erst in brenzlige Situationen. Sie müssen in der Dunkelheit durch zwielichtige Gegenden und dunkle Gassen laufen? Lassen Sie sich abholen, gehen Sie einen Umweg oder nehmen Sie ein Taxi. Wenn sich ein dunkler Nachhauseweg nicht vermeiden lässt, dann sagen Sie Ihren Mitmenschen Bescheid, wo Sie sich aufhalten und wann Sie zuhause sein müssten, oder telefonieren Sie auf dem Weg mit jemandem. Hören Sie auf Ihr Bauchgefühl und vermeiden Sie Situationen, die sich unangenehm anfühlen.

Schritt 2: Selbstschutz – Fliehen Sie in Sicherheit

Es ist zu spät – Sie realisieren plötzlich, dass Sie sich in einer Gefahrensituation befinden. Ihr Gegenüber wirkt aggressiv, aufdringlich oder unzurechnungsfähig. Versuchen Sie, aus der Situation zu fliehen! Wenn Sie sich in der Bahn befinden, steigen Sie an einer belebten Haltestelle aus, wo Sie nicht mehr mit dem potenziellen Angreifer allein ist. Sind Sie zu Fuß, dann laufen Sie schnellen Schrittes – oder rennen Sie bei akuter Gefahr – in eine belebte Gegend. Die meisten Angreifer lassen von ihrem Plan ab, sobald sie von vielen Menschen umgeben sind. Vor allem bei Angreifern, die unter Alkohol- oder Drogeneinfluss stehen, ist die Flucht die erste Wahl des Selbstschutzes, denn sie sind meistens wackelig auf den Beinen und lassen sich schnell abhängen.

Schritt 3: Selbstverteidigung – Holen Sie Hilfe

Wenn Sie in eine Ecke gedrängt wurden oder Ihr Angreifer nicht den Eindruck macht, Sie fliehen zu lassen, dann schreien Sie nach Hilfe – und zwar so laut Sie können. Keine falsche Scheu, Ihre Sicherheit ist wichtiger als die mögliche Peinlichkeit, weil Sie die Situation falsch eingeschätzt haben. Effektiver als ein genereller Hilfeschrei ist es, wenn Sie Passanten möglichst direkt ansprechen. Rufen Sie beispielsweise: „Hilfe, Sie mit der blauen Jacke, rufen Sie bitte die Polizei!“ Damit erhöhen Sie die Chance, dass man Ihnen auch wirklich hilft und nicht aus Unsicherheit einfach weitergeht. Personal Alarms können Ihre Hilfeschreie ideal unterstützen, indem Sie per Knopfdruck einen sehr lauten Warnton ausstoßen. Ein Personal Alarm sollten Sie immer in Ihrer Jackentasche dabeihaben. Oft reicht der Lärm schon, um Ihren Angreifer in die Flucht zu schlagen, da er Angst vor Zeugen hat.

Schritt 4: Selbstverteidigung – Wehren Sie sich körperlich

Wenn alles andere nicht hilft, dann dürfen Sie nicht davor zurückschrecken, sich körperlich zu wehren. Treten Sie einem männlichen Angreifer mit dem Knie in die Weichteile, treten Sie mit dem Fuß kräftig auf den Mittelfußknochen (besonders wirksam, wenn Sie hohe Schuhe tragen) oder brechen Sie dem Angreifer mit Ihrem Handballen die Nase. Augenhöhlen oder der Solar Plexus sind ebenfalls sehr empfindliche Stellen am Körper, auf die Sie zielen können. Scheuen Sie sich nicht davor, Ihrem Angreifer richtig wehzutun. Hier geht es um Ihre Sicherheit und wer einen anderen Menschen tätlich angreift, der muss damit rechnen, in Notwehr auch selbst verletzt zu werden. Wer sich körperliche Notwehr nicht zutraut, dem kann Pfefferspray ein Gefühl der Sicherheit geben. Tragen Sie das Pfefferspray auf dem dunklen Heimweg in Ihrer Jackentasche und haben Sie zur Sicherheit schon Ihren Finger auf dem Auslöser. Ein schneller Sprühstoß in das Gesicht des Angreifers wird ihn für eine ganze Weile außer Gefecht setzen. Keine Sorge: Sowohl der Besitz von Pfefferspray als auch der Einsatz von Pfefferspray in Notwehr sind in Deutschland erlaubt.

Bereiten Sie sich auf den Ernstfall vor

Es ist eher unwahrscheinlich, dass Sie in einer plötzlichen Gefahrensituationen zur effektiven Notwehr übergehen können, wenn Sie das vorher noch nie geübt haben. Hemmungen oder Schockstarre sorgen oft dafür, dass sich Opfer gar nicht richtig wehren oder viel zu zaghaft sind. Üben Sie lautes Schreien, selbstbewusstes Auftreten und körperliche Gegenwehr – am besten mit einem starken, männlichen Freund oder in einem professionellen Selbstverteidigungskurs.